Besser draußen.

Nicht draußen zu sein ist für Hansueli Klossner noch schlimmer wie flaches Gelände.

Weil ihm die Berge im Voralpengebiet zu wenig hoch waren und er selbst als Zimmermann für seinen Geschmack noch zu wenig draußen war, absolvierte Hansueli Klossner eine Zusatzlehre zum Dachdecker und zog nach Grindelwald. Dort waren in der Zwischensaison auch immer wieder Bergführer als Aushilfskräfte auf den Dächern anzutreffen, also jene Männer, die er seit seiner Kindheit bewunderte. Recht schnell stellte er dann fest: Bergführer sind nur Menschen und da er ja auch ein Mensch sei, müsste er das auch können. Mittlerweile ist er seit gut 20 Jahren als Bergführer tätig, war zwischenzeitlich Ausbildner und Prüfungsexperte im „Schweizer Bergführerverband“ und weiß: Ein besseres Leben wie jenes, das er jetzt in Grindelwald führt, gibt es für ihn nicht. Wir haben ihn auf eine Skitour zum Gipfel „Uf Spitzen“ begleitet, waren eisklettern und können jetzt verstehen, warum er das so sieht. Zwischendurch hatten wir noch Zeit, für ein Gespräch über seine Profession.

 

Berufswunsch:

Hansueli Klossner: Seit ich denken kann wollte ich immer draußen sein. Sogar als Zimmermann war ich für mein Empfinden zu wenig draußen, weil man ja auch Innenausbauten machen musste. Jetzt sind die Berge quasi mein Büro – was will man mehr?

 

Grindelwald:

Hansueli Klossner: Ich lebe jetzt seit 27 Jahren hier, würde es also schon als meine Heimat bezeichnen. Heimat ist auch dort, wo man sich wohlfühlt. Wir leben an einem Ort, wo andere Menschen Urlaub machen. Wenn man das zu schätzen weiß, hat man hier eine unglaubliche Lebensqualität.

 

Respekt:

Hansueli Klossner: Im Vergleich zu den Bergen bist du winzig – deshalb muss man immer realistisch bleiben. Wenn jemand in die Berge kommt und sich denkt: Ich kann hier machen was ich will, dann kann es schnell passieren, dass ihm der Berg eine Lektion erteilt. Und dann wird er demütig.

 

Erfolge:

Hansueli Klossner: Eigentlich spielt es keine Rolle, auf welchem Niveau man sich bewegt, ob die Gäste jetzt Anfänger oder Fortgeschrittene sind. Wenn ich merke, dass sie von mir profitieren und ich sie am Berg wachsen sehe, ist das eine wunderbare Sache.

 

 

Verantwortung:

Hansueli Klossner: Eine Sicherheitsgarantie gibt es am Berg nie, wir Bergführer sind „nur“ Risikomamanager. Aber natürlich haben wir in unserem Beruf eine sehr große Verantwortung. Und manchmal muss man eben „Nein“ sagen – auch wenn die Gäste eine Tour gerne machen würden. Dafür braucht es eine gewisse Coolness, die losgelöst ist von Emotionen. Man muss die Sachlage realistisch argumentieren und kommunizieren.

 

Vorlieben:

Hansueli Klossner: Ich mache eigentlich alles: Skitouren, Bergsteigen, Eisklettern, Schneeschuhwandern, etc. – und genau das macht es ja auch aus. Ich bin ein Mensch, der sehr viel Abwechslung braucht und die habe ich mit meinem Beruf als Bergführer gefunden.

 

Schattenseiten:

Hansueli Klossner: Ich habe zwei kleine Töchter (drei und viereinhalb Jahre alt) und gerade die ältere realisiert mittlerweile schon, wenn ich für eine Tour einmal länger weg bin von zuhause. Wenn ich zurückkomme sagt sie manchmal: „Papa, bitte geh nicht mehr so lange weg.“ Das trifft mich dann schon.

 

Charakter:

Hansueli Klossner: Ich würde es so sagen: Ich bin ein begeisterungsfähiger Realist. Und wenn mich etwas wirklich begeistert, zeige ich diese Freude auch und teile sie mit meinen Gästen.

 

Mehr Infos:
www.grindelwaldsports.ch

 

 

Interview: Matthias Köb // friendship.is
Fotos: Heiko Mandl // friendship.is
Quelle: bestofthealps.com